Produktionsanläufe in der Mechatronik (MESSPRO)
Methodisch sichere, schnelle Produktionsanläufe in der Mechatronik (MESSPRO)Fertigung Produktion
Im Verbundprojekt MESSPRO wurde die Umsetzung von sicheren und schnellen Produktionsanläufen anhand von drei Anläufen neuer Pumpenbaureihen verfolgt. Diese Pilotprojekte repräsentieren gleichzeitig einen Wandel vom Produkt- zum System- /Lösungsanbieter des Leadpartners KSB AG. Insofern ist dies auch ein Wandel vom Anlauf mechanischer Produkte zum sicheren Anlauf mechatronischer Produkte. Die Entwicklung von mechatronischen Produkten/Systemen mit kürzer werdenden Produktlebenszyklen erfordert immer häufigere und schnellere Produktionsanläufe bei steigender Produktkomplexität.
Im Fazit bedeutet dies, neue Inhalte, komplexere Entwicklung und Produktion und dennoch ein methodisch sicherer und schneller Anlauf. Zum einen repräsentieren die beteiligten Industriepartner KSB AG, TR-Electronic GmbH und Maurer & Treutner GmbH & Co.KG durch Kunden-Lieferanten-Beziehungen eine durchgängige Wertschöpfungskette. Zum anderen wurden die Pilotprojekte von der Forschungsarbeit entsprechend dem Ansatz Organisation/Mensch/Technik in drei inhaltlich abgegrenzten Querschnittsthemen begleitet: Sichere Prozesse und Organisation, Wissensaustausch und Personalentwicklung, Monitoring und Prozess-Controlling. MESSPRO hat die erfolgreiche Umsetzung der Pilotprojekte als Praxisfälle mit Vorbildcharakter begleitet, ein übertragbares Referenzprozessmodell für den erfolgreichen Produktionsanlauf vergleichbarer Unternehmen geschaffen, eine Software zur Unterstützung und Steuerung von Produktionsanläufen erstellt und eine Toolbox der zusammengeführten Methoden und Tools aufgebaut.
Bestandteile und Handlungsfelder erfolgreicher Anläufe:
Kooperations- und Referenzmodelle für den Anlauf
Wissensmanagement und Personalqualifikation
Planung, Controlling und Organisation von Anläufen
Anlaufrobuste Produktion
Änderungsmanagement im Ramp-up
Inhalt:
1 Einleitung
2 Ausgangssituation und Themenfelder
3 Lösungsansätze
3.1 Prozesse
3.2 Rollen in Prozessen
3.3 Methoden und Tools
3.3.1 Methoden und Werkzeuge: Projekt-Controlling
3.3.2 Methoden und Werkzeuge: Entwicklung
3.4 Kooperation jenseits von Gremien
3.5 „Lebendiges“ Wissensmanagement
3.6 Umgang mit Unplanbarem
4 Bewertung der Projektergebnisse und Anlauf-Modell
Vor allem die Produktlebenszyklen werden durch den Einfluss und die Integration der Elektronik immer kürzer. Damit gilt es, Innovationen, Produktentwicklungen und somit auch Produktionsanläufe immer öfter und immer schneller umzusetzen. Zum Beispiel betrug der Lebenszyklus einer Pumpe des MESSPRO-Partners KSB bisher ca. zwölf Jahre und mehr. Die darin enthaltenen Entwicklungs- und Anlaufzeiten waren relativ komfortabel und hatten nicht den heutigen Einfluss für den Markterfolg. Doch im Gegensatz zur Mechanik rechnen wir bei integrierten Elektronik- und Hardware-
Komponenten von einem Lebenszyklus von nur zwei Jahren. Im Bereich der Software liegen wir noch einmal darunter, bei etwa einem halben Jahr. Damit sind Neuprodukteinführungen in Zukunft weniger die besonderen Ereignisse, die Ausnahmen bestehender Regeln und Standards rechtfertigen, sondern viel mehr operative Projekte des Tagesgeschäftes ohne Abstriche in der Qualität.
Die Software nimmt mehr und mehr eine Schlüsselposition bei mechatronischen Produkten ein. Wird die Funktionalität der Pumpen derzeit zu ca. 60 % von der Hardware und zu ca. 40 % von der Software bestimmt, so wird sich das Verhältnis in absehbarer Zeit umkehren. Einerseits ist die Integration der Software die Chance, neue und höhere Leistungspotenziale zu erschließen. Andererseits birgt sie auch das Risiko einer erhöhten Fehlerhäufigkeit: Bis zu neun von zehn Ausfällen entsprechender Produkte werden heute auf die Software zurückgeführt. Bezogen auf konkrete Entwicklungsprojekte ergeben sich durch den Mechatronik- Aspekt neue, erhöhte Anforderungen hinsichtlich Kommunikation und Abstimmung, d. h. zur Koordination der betreffenden Teilprojekte. Praktisch werden bereits heute Entwicklungen von Systembaugruppen und Software an Lieferanten delegiert. Innovationen in der Gesamtinnovation haben mehrere Anläufe im Gesamtanlauf und deren jeweilige Wechselwirkungen zur Folge. Aus dieser Perspektive gesehen, sind die Ziele
von sicheren und schnellen Produktionsanläufen bei Lieferanten und Entwicklungspartnern eng mit denen der Kunden und OEM1 verknüpft.
Herausgeber: Manfred Oesterle, Fred Leidig
130 Seiten
Erschienen: 2007